Kurzer Rückblick aufs Corona-Jahr

Ein paar Wochen im Januar ist es nur eine exotische Krankheit in China. Noch belächelte man die Chienesen, die innerhalb von einer Woche Sonderkrankenhäsuer aus dem Boden stampften. In der Tagesschau berichtete man darüber noch kurz vorm Wetter und nach den News zum abgebrannten Affenhaus in Kreefeld.

Während bei uns noch traditionell der Karneval mit viel Alaaf vor sich hinschaukelte, sich mehr oder weniger angetrunkene Massen durch die Karnevalhochburgen schoben und das größte Problem die stürmische Wetterlage an Rosenmontag war, wütete das Virus im Februar überraschend heftig in Norditalien – dramatische, im heutigen Europa unbekannte Bilder folgen. „Triage“ wird zu einem Begriff des Schreckens. Als dann in vielen Regionen im März ein Lockdown nötig wird, gehen in der Schule zwar nicht die Lichter aus, aber Schüler/innen und Lehrer sind im „Homeschooling“ – einem unbekannten Etwas, das uns mehrfach 2020 begleitete und allen Seiten viel Nerven, Zeit und Geduld abverlangte. Dann die neuen essentiellen Fragen des Frühjahrs: Wie wäscht man richtig Hände? Was ist eigentlich dieses RKI? Und warum gibt es kaum mehr Nudeln und keinerlei Klopapier mehr? Und warum verdammt nochmal kostet Desinfektinsmittel bei Amazon plötzlich knapp 100 Euro?

Auch das „normale Leben“ versank ab März mehr und mehr in neuer, unbekannter „Stille“: Gottesdienste gestrichen (auch an Ostern), Online-Shopping statt Stadt-Bummeln, die Aktien im März auf Talfahrt, Wirtschaft bricht ein und es herrscht viel Sorge um Arbeitslosigkeit. Der globale Reiseverkehr kommt zum Erliegen. Im April sind europaweit zum ersten Mal die Schulen dicht und bereits 6 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Social Distancing, AHA-Regeln, 1,5-Meter, Maskenpflicht – ja oder nein, FFP2, Virenlast…. eine Flut an Regeln und Neuerungen, die sich immer wieder selbst überholten. Dazu am Mai „das rollierende System“, die Unklarheiten um das Abitur 2020, späte oder widersprüchliche Nachrichten, verzweifelte Menschen… unbelehrbare Menschen… Das Frühjahr und der Frühsommer war gezeichnet von Verwirrung und Unsicherheit, aber auch von spontanen Lösungsansätzen, Pragmatismus und einer „Pack-an“-Mentalität.

Begleitet wird diese Zeit von der Debatte um die Maskenpflicht. Von hysterischem Hypochonder und Apokalyptiker über „Alltagsängstler“ und Verharmloser bis hin zum Querdenker – letztere bleiben uns leider immer noch und vermischen sich mehr und mehr mit Rechtsextremen. Als die Ansteckungen im Sommer nachlassen, ist ein wenig Urlaub möglich und das Gefühl da, die Krise gut bewältigt zu haben. Optimismus macht sich breit, leider auch Leichtsinn. Spontan-Biergärten waren ebenso drin wie Reisen in „plötzlich-nicht-mehr“-Risikogebiete. Umso widerstrebender wurde die zweiwöchige Maskenpflicht im Unterricht nach den Sommerferien von vielen aufgenommen.

Doch das Virus kommt im Herbst noch stärker zurück und zwingt uns im November erst in einen Lockdown light und dann zur zweiten Vollbremsung im Dezember. Die Maskenpflicht im Unterricht wird im September plötzlich nicht mehr vorgschrieben, sie wird von vielen gewünscht. Nach den Herbstferien war sie dann ohnehin wieder da. Auch Einzug ins Klassenzimmer hielt: Die Kälte. Lüftungsregeln, die Schüler wie Lehrer in Eiszapfen verwandelte, bekämpft durch Decken, Handwärmer und hohen Heizungen. Greta und ihr Klimawandel waren in der Senke verschwunden. Lüften, Maske, Regeln, Regeln, Regeln. Doch die Zahlen stiegen. Der Lockdown light ab November entschleunigte die Vorweihnachtszeit nur wenig. Die Diskussionen um Lockerungen zu Weihnachten nahmen absurde Formen an. Ab dem 16.12. war dann wieder Schicht im Schacht, dieses Mal aber immerhin mit Ansage. Friseure arbeiteten die Tage zuvor Doppel- und Dreifachschichten bis in die Nacht hinein, Weihnachtsshopping im Akkord – die Dekorationen dabei simulierten Normalität, die es dieses Jahr kaum gab. Dann der harte Lockdown in der Schule: eine wirre Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht vor den Ferien, Unklarheit, wie es denn nun genau nach den Ferien weitergeht.

Corona-Weihnacht war eine ganz besondere Weihnacht – ohne Verwandte, in den Medien Verhaltensempfehlungen für Familien, daneben die einsame Weihnacht vieler Personen, wieder abgesagte Gottesdienste. „Stille Nacht“ war hier wörtlich. Die Silvesterfeiern waren komplett abgesagt, kein Feuerwerk – in Frankreich und Italien herrschen komplett Ausgangssperren. „Das ruhigste Silvester seit Jahren“, so der Tenor in den Medien. Hoffnung keimt auf: Der Impfstoff.

Und da stehen wir jetzt. Immerhin: Wir können (vor allem) gefährdete Menschen endlich impfen. Aber bis genügend geimpft sind, um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen, werden noch viele Monate ins Land gehen. Höchste Zeit also, sich einmal zu besinnen und persönlich zurückzuschauen. Wie hat sich unser Leben, haben sich unsere Beziehungen und Werte verändert? Was haben wir gelernt? Und was müssen wir im kommenden Jahr beachten? Vielleicht lohnt es sich ja für den ein oder anderen von euch, darüber mal nachzudenken, vielleicht ja sogar in den Ferien.

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