...Senf dazu

Kommentar zum deutschen Schulsystem

Dass das deutsche Schulsystem an den ein oder anderen Ecken ein paar MĂ€ngel aufweist, dĂŒrfte seit einiger Zeit gelĂ€ufig sein.

Doch warum wird immer noch so unterrichtet wie vor hundert Jahren? Der Schulstress kurz vor dem Abitur fĂŒhrt zu kurzfristigem Lernen vor den Klausuren. Das wiederum fĂŒhrt zu mehr Schulstress. Der Teufelskreis endet aber meist nicht, wenn man die Schule verlĂ€sst.

Am Ende der 12 Jahre lernt man kaum eigenstĂ€ndig genug, um fĂŒr die Anforderungen einer Ausbildung oder des Studiums gewappnet zu sein, sodass man sich mĂŒhselig eigene Lernmethoden erarbeiten muss. Dieser Prozess sollte eigentlich in der Schule erfolgen.  Die Pisa-Studien geben einen guten Überblick ĂŒber unsere Bildungssituation.Deutschland hĂ€ngt untendurch. Mit nicht mehr zeitgerechten Unterrichtsmethoden und dem uneinheitlich geregelten Schulsystem, ist das meines Erachtens kein Wunder. WĂ€hrend die Kinder hier nach vier Jahren auf die weiterfĂŒhrende Schule gelassen werden, sind z.B. in Brandenburg 6 Jahre Grundschule ĂŒblich.

Das Ă€ndert trotzdem nichts daran, dass die Kinder viel zu frĂŒh in Schubladen gesteckt werden, aus denen sie unter UmstĂ€nden nur schwierig heraus kommen. Wer auf der Hauptschule landet, der wird spĂ€ter nur geringe Chancen auf einen guten Job bekommen. Wobei dieses Schicksal von der EinschĂ€tzung eines Grundschullehrers abhĂ€ngt, der sich von z.B. der Zugehörigkeit sozialer Schichten beeinflussen lĂ€sst. Wessen Eltern weniger finanzielle Mittel zur VerfĂŒgung haben, der sollte trotz guter Noten lieber auf die Realschule geschickt werden, da dieser weniger UnterstĂŒtzung von zu Hause, wie z.B. Nachhilfe beanspruchen kann. Generell ist das richtig. Dennoch kann es nicht sein, dass eine solche Chancenungleichheit das Bildungssystem eines reichen Staates wie Deutschlands betrifft.

Gibt man einen Blick auf die skandinavischen LĂ€nder Finnland und Schweden, so sieht man von all diesen Problemen nicht viel. Dort geht man 10 Jahre lang auf die gleiche Schule, bevor man eine Art gymnasiale Oberstufe besucht. Diese richtet sich berufsorientiert aus. In Finnland können die meisten Jugendliche schon vor der 10. Klasse einschĂ€tzen, welche Richtung sie nach der Schule einmal einschlagen wollen. Das hĂ€ngt mit dem individuell ausgeprĂ€gten Lernweg der SchĂŒler zusammen.

In jedem Schuljahr bespricht jeder einzelne SchĂŒler mit seinem Lehrer seinen persönlichen Lehrplan. Dieser wird von den SchĂŒlern, ab einem bestimmten Alter alleine angefertigt, um ihre SelbststĂ€ndigkeit zu fördern. Dabei duzen sie ihre Lehrer, da ihnen der persönliche Kontakt zueinander wichtig ist, denn sie begleiten sie ĂŒber mehrere Jahre. „Einen eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden“, heißt dabei das Grundmotto. Man soll seinen eigenen Weg finden und sich so ohne großen Druck in die Gesellschaft einfĂŒgen. Eine Vorgehensweise, die schon viele Nationen ĂŒbernommen haben. In 90% aller EU-Staaten ist es beispielweise ĂŒblich, bis zu 10 Jahre die gleiche Schule zu besuchen.

Die Tatsache, dass Finnland sich meist an der Spitze der Pisa-Studien befindet, gibt weiteren Anstoß. Da stellt sich die Frage warum nicht auch Deutschland sich eine Scheibe von einem solchen Vorreiter in Sachen Bildung abschneiden könnte. Trotz der alarmierenden Ergebnisse der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000 versucht Deutschland  das eigene Schulsystem aufrechtzuerhalten.
Änderungen, wie die KĂŒrzung der gymnasialen Laufbahn bis zum Abitur, geben sich nach außen hin als Absicht aus, mit den Systemen anderer EU-Staaten mitzuhalten. Zudem soll den SchĂŒlern der frĂŒhere Einstieg in das Berufsleben „ermöglicht“ werden.

In Wirklichkeit aber verspricht es als „angenehmen Nebeneffekt“ frĂŒhere Steuereinnahmen und diverse finanzielle Einsparungen, wie z.B. das Lehrmaterial eines kompletten Jahrgangs. Zu hoher Leistungsdruck und ZukunftsĂ€ngste sind die Folgen. Die Konsequenzen sind und waren immer absehbar, sodass viele BundeslĂ€nder wieder von G8 abgewichen sind. Dennoch wird bei den Vorgehensweisen des Bildungsministeriums mehr als deutlich, dass Deutschland unsere Bildung in erster Linie finanziell betrachtet und uns zu wirtschaftlichen LeistungstrĂ€gern der Gesellschaft machen möchte.

Wir werden geschult um Geld zu verdienen, nicht um uns in Hinsicht unserer eigenen Interessen entfalten zu können, wie es z.B. in Finnland der Fall ist. Diese Einstellung stammt noch aus Zeiten, in denen dies nötig war um unsere Gesellschaft aufrecht zu erhalten. In den Nachkriegszeiten wurden starke MÀnner und gute Hausfrauen benötigt um Deutschland wieder aufzubauen, aber diese Zeiten sind vorbei.

Meiner Meinung nach ist es nur mit einer kompletten Umstrukturierung des deutschen Schulsystems möglich, wieder zeitgerecht Unterricht erhalten. Dabei kann sich Deutschland ruhig etwas von anderen Staaten abgucken. Vor allem Dingen auf Grund der momentanen FlĂŒchtlingskrise muss etwas getan werden. Im Bereich der Förderung von Migranten steckt Deutschland trotz langer Gewissheit der Situation noch in der Kinderschuhen.
Deutsche Schulen mĂŒssen zugĂ€nglicher fĂŒr jeden sein und jedem von Anfang an die gleiche Chance geben.

Ronja Becker, Q1

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