Homeschooling. Zwischen Problemen, Möglichkeiten und Ängsten

Ich bin eine 17jährige Schülerin und stehe wenige Monate vor meinem Abitur. Wie einige andere meines Alters, habe auch ich schon schlechte wie auch gute Erfahrungen im Homeschooling gemacht. Viele meiner Stufe und Freunde von anderen Schulen werden momentan von der Angst begleitet das Abitur nicht zu schaffen.

Bereits 15 Minuten vor der Videokonferenz, wird sich krampfhaft vor den Laptop, das Handy oder das Tablet gesetzt. Die Videokonferenzen sollen den Präsenzunterricht größtenteils ersetzen und eine Möglichkeit zur mündlichen Beteiligung bieten. Doch was ist, wenn das Internet zu schlecht, der Server überlastet oder ein anderes technisches Problem besteht? Die Schüler trifft keine Schuld und auch wenn der Lehrer sich dessen bewusst ist, bleibt immer noch die Angst vor einer schlechten Leistungsbewertung.

Ich persönlich gehöre zu den Schülern, die sich mündlich eher gering beteiligen, doch ich hatte mir vorgenommen dies zu ändern. In Videokonferenzen besteht dafür die Möglichkeit eine digitale Hand zu heben. Doch auch hier besteht das Problem, dass der Lehrer dies nicht immer angezeigt bekommt und somit alle fünf Minuten jemand die Konferenz unterbricht und fragt: „Sehen Sie, dass ich mich melde?“. Viele Schüler fragen sich deshalb, warum sie überhaupt noch an Konferenzen teilnehmen, wenn ihre Mitarbeit keine Beachtung finden kann. Dennoch bieten eben diese Videokonferenzen jenen die Möglichkeit ihre letzte Note zu halten oder zu verbessern, welche schriftlich leistungsschwächer sind, auch wenn häufig Komplikationen auftreten.

Das Gegenstück zu den Konferenzen sind die schriftlichen Aufgaben. Oft ist hier die Aufgabenbelastung sehr groß und der zeitliche Druck, welcher damit einhergeht, steigert die Angst vor einer schlechten Bearbeitung noch mehr. Doch für einen mündlich leistungsschwächeren Schüler wie auch ich einer bin, bieten eben diese eine gute Möglichkeit der Leistungsverbesserung, welche es nicht einmal im normalen Präsenzunterricht gab.

Allerdings ist das Gesamtbild leider negativ. Die meisten Schüler haben von morgens 08:00 Uhr bis mittags 13.!5 Uhr und oft auch bis 15:35 Uhr Videokonferenzen. Man könnte sich denken, dass dies nun mal die Zeiten eines normalen Schultags sind, doch mit dem Umfang der schriftlichen Aufgaben endet dieser oft erst nach Mitternacht. Die meisten Schüler wollen jetzt schon für das Abitur lernen, doch dafür bleibt keine Zeit. Die Angst vor dem Versagen bei der Abschlussprüfung breitet sich immer weiter aus. Doch neben den Ängsten um die schulische Leistung, leidet auch der Alltag darunter. Den Großteil des Tages sitzen wir Schüler in unserem Zimmer und sind mit der Schule beschäftigt.

Der Gang an der frischen Luft fällt dabei meistens sehr kurz aus. Für einen Hundebesitzer wie mich ist dies besonders schlimm. Anstatt des regelmäßigen Spazierganges mit meinem Hund, heißt es Analyse schreiben. Homeschooling bietet somit Möglichkeiten der Verbesserung, doch ist der Weg dorthin voller Probleme. Und eben diese Probleme sind der Grund für die Verbreitung von den verschiedensten Ängsten unter den Schülern. Doch um diese aufzuarbeiten fehlt die Zeit.

Judith V. (Q2, Abitur 2021)

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