Flüchtlingskrise – Was erlauben wir uns eigentlich?

Wer sind wir eigentlich? Was haben wir erwirkt? Woher nehmen wir uns das Recht darüber zu urteilen wer im Wohlstand leben darf und wer nicht. Haben wir einen Verdienst erbracht, allein dadurch, dass wir in Deutschland geboren wurden?

Letzteres muss man eindeutig zurückweisen. Es ist pures Glück, dass wir nicht in einem Kriegsgebiet leben müssen und auch nicht von einem totalitären Regime verfolgt werden. Anderen Menschen wurde dieses Glück nicht zu Teil! Angaben des UNHCR zugolge müssen ungefähr 59,5 Millionen Mneschen ihre Heimat verlassen, da sie dort nicht mehr sicher und unter menschenwürdigen Bedingungen leben können.

In unserem Land werden Stimmen laut die von einem vollen Boot sprechen. Wie groß wäre ein Boot mit der Aufnahmefähigkeit eines so reichen Landes? Genaue Zahlen kann niemand nennen, aber dürfen wir sagen: „Das Boot, unser Boot, ist voll“? Ich glaube das wäre anmaßend! Sind wir mal ehrlich: Haben wir bislang ernsthafte Einschränkungen erleiden müssen? Ist die Kriminalitätsrate gestiegen, weil jetzt mehr Ausländer in Deutschland sind? Müssen Frauen wirklich Angst haben von muslimischen Männern vergewaltigt zu werden? Und ganz wichtig: Gibt es überhaupt so viele, mit dem Begriff „Wirtschaftsflüchtlinge“ verschrieene Migranten, die unser Sozialsystem ausbeuten?

Ich persönlich kann alle diese Fragen verneinen. Ich glaube, dass die Situation nicht mit einem Boot zu vergleichen ist. Fakt ist: Artikel 16a des Grundgesetzes gewährt allen politisch Verfolgten Personen Asyl. Da ist es unmenschlich, dem Millionensten zu sagen: „Ne tut uns Leid unser Boot ist voll, schwimm wieder zurück“, um mal in den Worten vieler „besorgter Bürger“ zu sprechen. Wäre Deutschland ein Boot, so wäre es riesig, und hätte noch Platz für den letzten Schiffbrüchigen.

Zweitens: Menschen aus Syrien, dem Irak, Eritrea, dem Sudan, Albanien oder dem Kosovo sind Menschen wie wir. Warum sollten sie krimineller sein als deutsche Staatsbürger. Diese Menschen sind froh hier angekommen zu sein und müssen leider auf der Gegenseite mit immer mehr Gewalt rechnen. Rechtsradikale Gruppierungen, Parteien und ausländerfeindliche „Wutbürger“ sorgen schon eher für ein Anstieg der Kriminalität. Gleiches gilt natürlich für Sexualdelikte. Auf Pegidademonstrationen hört man immer wieder, dass junge Männer aus anderen kulturellen Kontexten danach dürsten deutsche (blonde) Frauen zu vergewaltigen. Das ist Stimmungsmache und einfach nur falsch.

Drittens: Wer ist eigentlich ein Wirtschaftsflüchtling? Laut einer Definition flüchten jene aus rein ökonomischen Gründen. Das hört sich trocken an, aber würden wir nicht das gleiche tun, wenn wir unsere Familie nicht mehr ernähren könnten und uns die Lebensumstände zu Kopf steigen? Die Zahl derjeniger, die unser Sozialsystem ausbeuten unterschreitet die der einheimischen „Sozialbetrüger“ womöglich auch noch.

Um zu der Anfangsfrage zurück zu kommen. Wir haben nicht das Recht darüber zu urteilen, wer im Wohlstand leben darf und welche Ursache zur Flucht gut genug ist, um nach Deutschland oder Europa zu kommen, um Hilfe zu erhalten. Wir sollten uns besser mal in deren Situation hereinversetzen und kurz darüber nachdenken, wie es wäre entwurzelt zu sein und von der Angst vor Krieg oder Armut in die Angst vor Rechtsradikalismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu kommen. Ich möchte meine Gegendarstellung zum bereits veröffentlichten Artikel gerne mit dem ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beenden:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollten einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“

An manchen  Tagen vermisse ich den Geist dieses ersten Artikels. Vor allem, wenn ich Demonstrationen der „PEGIDA“ oder der „AFD“ sehe, und leider auch bei manchen Gesprächen mit Mitschülern. Das ist schade.

Moritz Schubert, Q2

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