Woher willst du wissen, ob ich Tuba spielen kann oder nicht?!

Die derzeitige Situation bringt viele Schwierigkeiten und Probleme mit sich. Nichts ist wirklich normal, alles ist irgendwie anders. Das ist nicht immer einfach, aber mit dem heutigen Stand der Technik lässt sich da schon viel machen. Online Unterricht ist in gewissen Maßen möglich, anders als zum Beispiel das gemeinsame Musizieren mit dem Senior-Quintett. Auf das gemeinsame Proben und damit verbundenen Spaß müssen wir gerade verzichten. Immer lief irgendwas schief…mal stimmte bei der Aufnahmetechnik etwas nicht, dann lagen die Hörner plötzlich fast einen halben Ton auseinander, wo sie eben noch wunderbar harmonierten, dann beschimpften wir uns gegenseitig nicht das zu spielen, was „da steht“, bis schließlich herauskam, dass die Noten völlig falsch transponiert waren – und wir alle unter großem Gelächter nicht begreifen konnten, dass uns das nicht gleich aufgefallen ist.

Man kann schon einmal durcheinander geraten, wenn in einem Ensemble völlig verschiedene und stark transponierende Instrumente (Es, F, Bb) miteinander spielen. Unsere Instrumente sind gut und haben teilweise Geschichte. Der „Eiserne Vorhang“ verläuft mitten durch unser Ensemble: es erklingen sozialistische (zwei Hörner aus China, eines aus der DDR und ein Horn und eine Posauen aus der CSSR) und westliche (eine amerikanische Posaune, ein westdeutsches Es-Horn, eine niederländische Tuba und eine japanische Trompete und eine japanische Klarinette) friedlich miteinander.

Trotz Lockdown haben wir eine Möglichkeit gefunden gemeinsam Musik zu machen. Jeder kann sich selbst beim Spiel einer vorher vereinbarten Stimme eines Musikstücks aufnehmen und die Tonspuren können danach zusammengeschnitten werden. Es funktioniert nur bei strengster Tempodisziplin und natürlich der Stimmung des Instruments auf den vorher vereinbarten Kammerton. Das Ganze ist natürlich anders als sonst, aber die Resultate sind doch sehr akzeptabel. Das Besondere an dieser “virtuellen” Methode ist, dass jeder mehr als nur eine Stimme aufnehmen kann.

Die Hauptinstrumente der Senior-Band sind eigentlich zwei Hörner, eine Klarinette, eine Trompete und eine Posaune. Aus Spaß und Neugier haben wir die Instrumentenvielfalt erhöht: jetzt spielen wir auch noch Bb-Bariton, Es-Horn in Waldhornform, Bb-Kornett und Es-Tuba. Das ist deshalb möglich, weil die Blechblasinstrumente mit Ventilen sich in wesentlichen Punkten ähneln. Sie unterscheiden sich in ihrer Grundstimmung (C, Bb, Es, F) und in der Mensur (der Weite der Röhren) und der Größe des Mundstücks. Wer das Prinzip der Griffe aber durchschaut hat, wird feststellen, dass die Griffe der Es, Bb und F-Instrumente alle miteinander verwandt sind. Es ist also möglich, dass die Noten einfach per Knopfdruck in unserem Notationsprogramm so verändert werden, dass z.B. die Es-Tuba, das Es-Horn oder das Bb-Bariton mit den längst eingeübten Griffen der B-Trompete bzw. den damit identischen Griffen der tiefen Lage des F-Horn gespielt werden können. Das eröffnet unglaubliche Möglichkeiten. Man kann sich durch alle Instrumente durchprobieren, wenn der Ansatz es erlaubt.

Während es Spaß macht, verschiedene Instrumente auszuprobieren, hat wohl die neu erlernte Tuba den größten Effekt. Durch sie bekommt die Musik eine tolle Stütze im Bass und eine warme Klangfarbe. Abgesehen davon, dass man seinem Hauptinstrument in gewisser Weise“ fremd geht“, hat das Ausprobieren und Spielen von anderen Instrumenten eine tolle Wirkung. Die eigentliche Besetzung kann so verstärkt und das Repertoire erweitert werden. Wir sind jetzt tatsächlich ein klassisches „Brass Quintet“, wie z.B. Canadian Brass – abgesehen von unserer wunderbaren ersten Klarinette. Tim Neuhäuser übernimmt meist die erste Stimme und weiß sich sehr gut durchzusetzen.

Allgemein ist unsere Stimmung (hier ist mal nicht der Kammerton gemeint) recht gut. Die Kommunikation findet zwar nur online statt, aber die Gespräche sind reich an Humor und Späßen. Es ist auch virtuell eine wunderbare Abwechslung und ein Ausgleich zu dem schulischen Onlineunterricht.  Das Einsammeln der Stimmen ist manchmal eine rechte Geduldsprobe, aber Verzögerungen ergeben sich aus der Gesamtbelastung der Musiker mit Schulaufgaben.

Die Ideen von neuen Stücken und zur Erweiterung des Repertoires sind nahezu unerschöpflich. Von Barockstücken bis Filmmusik und noch viel mehr. Das Besondere ist, dass wir fast alles spielen können, worauf wir Lust haben. Jeder kann Stücke vorschlagen. Manches muss vorher nochmal überarbeitet werden und ein bisschen um arrangiert werden, aber so können viele Stücke auf unsere Besetzung angepasst werden. 

Trotz des eigentlich vorhandenen Tatendrangs, kommt es manchmal zu Verzögerungen der Aufnahmen und das ganze dauert seine Zeit. Im Vergleich zu realen Proben schafft man so verhältnismäßig wenig. Hinzu kommt, dass es immer mal zu diversen Komplikationen mit dem Notenprogramm kommt. Es verrutschen Noten, das Tempo muss neu angepasst werden. Jeder von uns hat sich in der Lockdownzeit eigenständig gute Kenntnisse im Umgang mit Musescore angeeignet, auch wenns manchmal hakt. Das sind aber Dinge, die mehr zur Belustigung als zu Problemen werden. Denn im Großen und Ganzen geht es dabei eigentlich nur darum zusammen Spaß zu haben und sich über jedes neue gemeinsame Werk zu freuen.

Von Christopher Schulz, Q2

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