Französisch oder Latein? – Die Qual der Wahl

Jedes Jahr stellen sich die 5. Klässler und auch die Eltern die zentrale Frage, welche zweite Fremdsprache ab Klasse 6 belegt werden soll. Immerhin ist das eine zentrale Entscheidung, die lange nachwirkt. Entscheidet man sich für Französisch, ist das Latinum an unserer Schule nicht mehr möglich (übrigens auch nicht an anderen Gymnasien Gladbachs). Nimmt man Latein, verpasst man vielleicht die Chance, eine „lebendige“ Sprache zu lernen, die für einen späteren Job wichtig sein könnte. Entsprechend muss man, auch wenn man noch sehr jung ist, bereits einige Aspekte in den Fokus nehmen, die einen Schüler normalerweise erst später beschäftigen. Dennoch ist dies nötig, um eine möglichst richtige Entscheidung zu treffen:

  • Wie kann ich als Schüler wissen, welche Sprache für mich ab der Klasse 6 die richtige zweite Fremdsprache ist?
  • Was nützt mir Französisch? Was nützt mir Latein?
  • Welche Rolle spielt die jeweilige Sprache in meiner Schullaufbahn?
  • Wie viele Jahre muss ich die jeweilige Sprache belegen?
  • Welche weiteren Qualifikationen kann ich als Französisch-SchülerIn erwerben?
  • Wie erwerbe ich das Latinum? Was gibt es auf der französischen Seite an besonderen Qualifikationen?

Zunächst direkt vorab: Es gibt alljährlich Schnupperstunden in jeder 5. Klasse zu beiden Sprachen, ebenso stehen die Fremdsprachenlehrer für Beratungsgespräche zur Verfügung und beantworten sämtliche Fragen zu Curricula, Inhalten, Schwierigkeiten etc. Außerdem findet auch jedes Jahr ein Informationsabend zur Fremdsprachenwahl statt (Datum siehe Kalender), bei dem auch generell das Sprachenmodell unserer Schule zur Sprache kommt.

Wie kann ich als Schüler wissen, welche Sprache für mich ab der Klasse 6 die richtige zweite Fremdsprache ist?

Du solltest entscheiden – Was interessiert dich mehr? Es gilt, gut abzuwägen. Man sollte sich die Argumente, die für Latein oder Französisch sprechen, in Ruhe durch den Kopf gehen lassen und vergleichen. Sprich darüber mit deinen Eltern und auch mit Lehrern. Darüber darf man aber nicht vergessen, dass du selbst das entscheidende Zünglein an der Waage sein solltest: Wie lernst du? Wie sprachbegabt bist du? Wie musikalisch ist dein Gehör? Wie bist du in Rechtschreibung und Grammatik? Wie liegt dir Englisch als gesprochene Fremdsprache? Und was willst du vor allem selbst? Denn schließlich sind es nicht deine Eltern, die in den nächsten Jahren zahlreiche Unterrichtsstunden in dem entsprechenden Fach erleben werden. Da spielt die Motivation eine große Rolle.

Beide Sprachen haben ihre Vorteile. Aber beide Sprachen haben eben auch ihre Tücken. Wie immer steht und fällt viel mit der Begeisterungsfähigkeit der vermittelnden Lehrkraft. Grammatik lernen und Vokabeln pauken, das muss man hier wie da. Sowohl Französisch als auch Latein erfordern einiges an Übung und Ausdauer. Jeden Tag ein paar Minuten extra, um Vokabeln zu wiederholen und sich auch die Grammatik der letzten Stunden noch einmal anzusehen, sind das Mindeste, um am Ball zu bleiben. Dann aber erschließt sich sowohl mit Französisch als auch mit Latein eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten.

 

Was nützt mir Französisch?

Französisch ist eine europäische Sprache. Tendiert man eher zum Französischen, ist sich aber noch nicht sicher, ob man dafür geeignet ist, dann sind die Englischlehrer die Ansprechpartner erster Wahl. Sie können am ehesten beurteilen, wie gut ein Schüler mit dem Erlernen von modernen Sprachen zurechtkommt – und wie viel Spaß es ihm macht, zu kommunizieren und auch mal Rollenspiele zu spielen. Hast du Freude an Sprachen, ein Gehör für Aussprache und Betonung und verfügst du über eine gewisse Imitationsfähigkeit, dann wirst du mit der Wahl einer so klangvollen Sprache wie Französisch viel Freude haben. Allerdings müssen auch die Sprachbegabten täglich lernen, denn sonst werden auch für sie die unregelmäßigen Verben zur Stolperfalle.

Nicht nur in Frankreich, auch in Belgien oder der Schweiz spricht man Französisch. Bei einem Urlaub können also die ersten erworbenen Sprachkenntnisse bereits angewendet werden. Das gelingt bereits nach wenigen Unterrichtsstunden. Selbst wenn man nur ein Brot kauft oder nach der Toilette fragt – ein Erfolgserlebnis ist es allemal.

Welche weiteren Qualifikationen kann ich als Französisch-SchülerIn erwerben?

Das DELF scolaire ist für Schüler der Sekundarstufe bestimmt und wird in Zusammenarbeit mit den Bildungsministerien der 16 Bundesländer angeboten. Es bedeutet für die SchülerInnen die Möglichkeit, ein europaweit anerkanntes Sprachzertifikat auf verschiedenen Niveaus zu erwerben. Es erleichtert den Zugang zu einigen europäischen Universitäten, vergleichbar dem Cambridge Certificate.

 

Was nützt mir Latein?

Latein ist die Basissprache mehrerer lebender Sprachen wie Französisch, Spanisch und Italienisch und hat auch das Englische und das Deutsche erheblich beeinflusst. Wir begegnen lateinischen Worten eigentlich auf Schritt und Tritt, ohne es zu wissen. Im modernen Lateinunterricht geht es nicht darum, Schülern Latein als Verständigungssprache nahe zu bringen, die Unterrichtssprache ist Deutsch. Für viele Schüler ist es auch ein Vorteil, dass die lateinische Sprache weitestgehend so gesprochen wird, wie man sie schreibt. Im Lateinunterricht geht es insgesamt um die Auseinandersetzung mit schriftlichen Texten.

Erstes ausgewiesenes Ziel ist es, über die Sprache den Zugang zur griechisch-römischen Antike zu eröffnen. Die Schüler setzen die „alte“ Welt in Beziehung zur eigenen Lebenswelt. Die Antike ist fremd und nah zugleich, zumal sie unsere Kultur bis heute prägt. Nicht nachgeordnet ist der Nutzen im sprachlichen Bereich. Die Schüler lernen ein überschaubares Modell von Sprache kennen. Die Beschäftigung mit Latein fördert nachhaltig das Verständnis für sprachliche Strukturen, legt ein gutes Fundament für das Erlernen weiterer Sprachen und fördert das Verständnis der Muttersprache in den Bereichen von Wortschatz und Grammatik.

„Schau genau“ ist die Devise bei der Spracharbeit. Das wiederum ist eine Arbeitsweise, die auf die Arbeit an anderen Lerngegenständen in verschiedenen Bereichen und anderen Fächern „gewinnbringend“ übertragen werden kann.

Wie erwerbe ich das Latinum?

Das Latinum ist bundeseinheitlich anerkannt und wird nach aufsteigendem Pflicht- beziehungsweise Wahlpflichtunterricht entsprechend dem Lehrplan für das Fach Latein bei mindestens ausreichenden Leistungen im Abschlussjahr unter folgenden Voraussetzungen erworben: Lateinunterricht von Klasse 6 bis zum Ende der Einführungsphase (Mindestens Note 4/ ausreichend).

 

Überblick über mögliche Probleme:
Französisch Latein
mögliche Probleme:

französisch wird geschrieben: Schreibweise sehr abweichend von der Sprechweise (wie beim Englischen)

Schwierigkeiten treten auf bei:

·         Accents – bes. auf e: ê é è

·         Personal– und Tempusendungen

mögliche Probleme:

Latein wird (fast) nie geschrieben = keine Möglichkeit der Speicherung über die Schreibmotorik

Die Aussprache ist teils schwierig; es erfordert Übung, neue Laute zu lernen (Nasale, Vokalkombinationen) Latein wird nicht gesprochen = Lernen durch Gespräche entfällt
Auslassungszeichen und Bindestrichen, z. B.: qu‘ est-ce que c’est

 

minimale Unterschiede im Schriftbild – bes. Reihenfolgen der Vokale, viele Ähnlichkeiten, die jedoch grammatisch relevant sind (Verwechslung)
Reihenfolgen sind komplex und vom Deutschen abweichend, z.B. in der Wortanordnung bes. bei Pronomen und Verneinung: Je ne la lui donne pas. Satzstrukturen sehr komplex und lange: Wenn Satzstrukturen nicht erschlossen werden können = fehlerhafte Übersetzung

 

grammatische Endungen bei: Konjugation der Verben, Veränderung bei Nomen / Adjektiv –weiblich / männlich / Plural grammatische Endungen bei: Konjugationen / Deklinationen (sehr viele Unregelmäßigkeiten)

 

nötige Voraussetzungen:

Fleiß wie bei Englisch, viele Vokabeln können aber aus dem Sinnzusammenhang erfasst werden (Arbeitstechnik wie bei Englisch)

 

nötige Voraussetzungen:

viel Fleiß (tägliches Üben), gute Speicherfähigkeit im Langzeitgedächtnis (sowohl Vokabeln wie auch grammatische Eigenheiten, da sonst eine korrekte Übersetzung nicht möglich ist)

gute auditive Wahrnehmung genaue visuelle Wahrnehmung
durchschnittliche grammatische Auffassungsgabe; (Satzstrukturen folgen überwiegend schematischen Gesetzmäßigkeiten) – Übersetzen von Deutsch zu Frz. hilft bei grammatischen Problemen schnelle und sichere grammatische Auffassungsgabe; (Satzstrukturen werden zunehmend komplizierter), deshalb wichtig: abstrakt – logisches Denkvermögen
zusätzliche Überlegungen:

lebende Sprache, die aktiv z.B. im Urlaub oder Beruf gebraucht werden kann

Aber: Unterrichtssprache zunehmend Französisch, nicht Deutsch, was zu Verständnisproblemen führen kann

zusätzliche Überlegungen:

keine lebende Sprache, die aktiv im Alltag Anwendung findet

Aber: interessante, historische Inhalte, Unterrichtssprache bleibt immer Deutsch

Auslandsaufenthalt oder Schüleraustausch können motivieren (nur noch) für wenige Studiengänge erforderlich

Und was kommt nach der Wahl in Klasse 6? Überblick zur weiteren Sprachenfolge am Gymnasium Herkenrath:

Unabhängig davon, was man als zweite Fremdsprache wählt, kann in der Klasse 8 Spanisch im Rahmen des Differenzierungsbereichs (dreistündig) gewählt und in der Oberstufe bis zum Abitur fortgeführt werden. In der Oberstufe kann Spanisch außerdem neu einsetzend gewählt werden, ebenso Französisch, wenn eine ausreichende Kursstärke erreicht wird. Dies ermöglicht Lateinschülern in der Oberstufe noch das Erlernen einer dritten Sprache. Latein kann allerdings nur in Klasse 6 belegt werden. Wer das Latinum dann für ein späteres Studium benötigt, kann es an der Universität in Sonderkursen nachholen (in der Regel zwei Intensivsemester).

 
Welche Rolle spielt die jeweilige Sprache in meiner Schullaufbahn? Wie viele Jahre muss ich die jeweilige Sprache belegen?

Zur Beantwortung dieser Frage ein kurzer Blick auf die Pflichtbelegungen in der gymnasialen Oberstufe. Im „sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeld“ muss eine aus der Sekundarstufe I fortgeführte Fremdsprache bis zum Ende der Qualifikationsphase belegt werden, bei den meisten Schülern ist dies Englisch. Sofern nicht zwei Fächer aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich gewählt werden, muss eine weitere Fremdsprache bis zum Abitur gewählt werden, dies ist Französisch, Latein oder Spanisch. Das Latinum ist mit Ende der EPH erreicht.

Latein und Französisch können als zweite Fremdsprache in der Qualifikationsphase nur dann fortgeführt werden, wenn eine entsprechende Kursstärke gegeben ist. Ist dies nicht der Fall, so kann als zweite Fremdsprache bis zum Abitur ausschließlich Spanisch belegt werden, sofern diese in der EPH belegt wurden. Zur Sicherstellung der zweiten Fremdsprache kann alternativ folgende Planung überlegt werden: Belegung von Spanisch ab der Stufe 8 im Rahmen der Differenzierung oder Belegung von Spanisch ab der Stufe EPH als neueinsetzende Fremdsprache.

Sämtliches zu den Fächern, den Inhalten der Curricula und dem Leistungskonzept beider Fächer findet ihr unter Sprachen. Wer eine der Sprachen im Abitur belegen möchte, findet hier auf der Seite der Standardsicherung NRW die wesentlichen Inhalte im entsprechenden Abiturjahrgang.

 

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